Die ersten nachweisbaren Bewohner des heutigen Laos werden kollektiv als Kha-Völker bezeichnet. Sie besiedelten das Land um 500 n. Chr. und lebten unter der Oberhoheit des Staates Funan. Später kamen sie unter die Herrschaft des Königreiches Zhenla, eines frühen Khmer-Königreiches, und dessen Nachfolgestaat mit dem Zentrum Angkor.

In der Zwischenzeit waren die Lao und andere Tai-Völker allmählich vom Königreich Nan Chao (im heutigen Yunnan) nach Süden gewandert und hatten die Kha verdrängt. Im 12. Jahrhundert hatten sie vermutlich bereits eigene Fürstentümer errichtet, doch vieles aus dieser Zeit bleibt legendenhaft. Die letzte große Wanderbewegung der Lao wurde durch die Zerstörung Nan Chaos durch die Mongolen im 13. und 14. Jahrhundert ausgelöst.

Das Land der Millionen Elefanten

Mitte des 14. Jahrhunderts verheiratete der Khmer-König in Angkor Jayavarman Paramesvara (Regierungszeit 1327-1353) seine Tochter mit dem Lao-Fürsten Fa Ngum (Regierungszeit 1353-1373) und unterstützte ihn bei der Gründung des unabhängigen Königreiches Lantschang („eine Million Elefanten”) mit der Hauptstadt Muong Swa (dem heutigen Louangphrabang). Der bekannte Krieger, der den Titel Eroberer erhielt, einigte die laotischen Fürstentümer und führte häufig Krieg gegen das Königreich Ayutthaya und gegen Annam. Hauptsächlich auf Betreiben seiner Khmer-Gattin übernahmen die Lao in dieser Zeit den Theravada-Buddhismus.

Nachfolger des entthronten Fa Ngum war sein Sohn, der das Reich weiter konsolidierte und organisierte. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts führten Konflikte mit Annam zum Fall der Hauptstadt, doch konnten die Truppen Annams bald wieder zurückgeschlagen werden. Im Anschluss daran kam es zu einer längeren Friedensperiode. Seine maximale Ausdehnung erreichte Lantschang im 16. Jahrhundert, als der laotische König die Krone des benachbarten Chiang Mai beanspruchte und erhielt. Das führte allerdings zu einem längeren Konflikt mit den Birmesen, während dessen die Hauptstadt nach Vientiane verlegt wurde. Im Jahr 1574 verwüsteten die Birmesen das Land, und nach einer Zeit der Anarchie bestieg Souligna-Vongsa (Regierungszeit 1637-1694) den Thron. Er schloss Frieden mit den Nachbarstaaten im Osten und Westen, und seine Regierungszeit gilt als goldenes Zeitalter der laotischen Geschichte.

Im Jahr 1700, nach dem Tod von Souligna-Vongsa, versuchte ein exilierter Neffe mit Unterstützung vietnamesischer Truppen, den Thron zu besteigen. Seine Verwandten tolerierten die Herrschaft der Vietnamesen jedoch nicht und errichteten 1707 in Louangphrabang ein selbständiges Reich. Das war das Ende von Lantschang; Laos zerfiel in die beiden Staaten Louangphrabang und Viengtschan.

Französische Herrschaft

Konflikte zwischen Siam (Thailand) und Vientiane führten schließlich 1778 zur Eroberung von Viengtschan; gleichzeitig wurde Louangphrabang gezwungen, die siamesische Herrschaft anzuerkennen. Als Viengtschan 1827 versuchte, seine Unabhängigkeit wieder herzustellen, wurde das Land von den siamesischen Truppen verwüstet.

Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Einfluss der Franzosen spürbar. Im Jahr 1893 besetzte ein französisches Expeditionskorps die zwei wichtigsten Städte des Landes und zwang die Siamesen, das laotische Territorium östlich des Mekong als französisches Protektorat anzuerkennen. 1904 kam Frankreich in Besitz des gesamten laotischen Territoriums, das bislang unter siamesischer Kontrolle gestanden hatte. Die Franzosen herrschten indirekt über den König von Louangphrabang und eine Hierarchie königlicher Beamter, wobei der französische Statthalter aber stets ein Einspruchsrecht besaß.

Während des 2. Weltkrieges wurde Indochina von den Japanern besetzt. Nachdem sie sich wieder zurückgezogen hatten, bildete sich eine Unabhängigkeitsbewegung, die unter der Bezeichnung Lao Issarak („Befreiung Laos”) bekannt wurde. Diese Bewegung brach jedoch zusammen, nachdem die Franzosen 1946 ihre Herrschaft über die Region wieder hergestellt hatten. Die Franzosen schlossen damals einen Vertrag mit dem König von Louangphrabang, damit wurde er König eines vereinigten Laos innerhalb der Französischen Union. Am 11. Mai 1947 wurde eine Verfassung verabschiedet, die ein gewähltes Parlament vorsah. 1949 wurde Laos unabhängiger Staat innerhalb der Französischen Union, und die meisten nationalistischen Führer, die das Land bei der Rückkehr der Franzosen verlassen hatten, kehrten zurück. Einige Dissidenten unter der Führung von Prinz Souvanna Vong verbündeten sich jedoch mit den prokommunistischen Vietminh, welche die Franzosen in Vietnam bekämpften. Diese in der Bewegung Pathet Lao („Lao-Staat”) organisierten Laoten fielen im April 1953 mit den Vietminh zusammen in Laos ein und konnten rasch große Gebiete unter ihre Kontrolle bringen.

Das Genfer Abkommen

Im Rahmen des Genfer Waffenstillstandsabkommens, mit dem 1954 der Indochinakrieg endete, war der Rückzug sämtlicher Vietminh-Truppen und sämtlicher französischer Soldaten bis auf ein Restkontingent von 5.000 Mann vereinbart worden. Zudem sollte sich der Pathet Lao in zwei Nordprovinzen des Landes zurückziehen. Zur Überwachung des Waffenstillstands wurde eine internationale Kontrollkommission eingesetzt. Im Dezember 1955 wurde Laos Mitglied der Vereinten Nationen (UN). Mit dem schwindenden französischen Einfluss in der Region machte sich immer mehr der Einfluss der Vereinigten Staaten bemerkbar. Im November 1957 billigte die Volksversammlung eine Vereinbarung zwischen dem neutralistischen Premierminister von Laos Prinz Souvanna Phouma und seinem Halbbruder Prinz Souvanna Vong, dem Führer des Pathet Lao. Gemäß dieser Vereinbarung wurde der Pathet Lao in die Regierungskoalition eingebunden. Dem Auftreten des Pathet Lao auf politischer Bühne widersetzte sich jedoch eine neu gegründete rechtsgerichtete Organisation, welche die Regierung Souvanna Phouma stürzte und im August 1958 eine neue, konservative Regierung bildete. Der Pathet Lao nahm damit den Guerilla-Krieg wieder auf.

Krieg und Waffenruhe

Die politische Lage blieb instabil. Bei den neuen Kämpfen wurde der Pathet Lao von der UdSSR unterstützt, während die USA die rechtsgerichteten Kräfte unterstützten. 1960 inszenierte der Kommandant eines Fallschirmspringer-Bataillons Captain Kong Le eine Rebellion gegen die rechtsgerichtete Regierung und übernahm die Kontrolle über die laotische Verwaltungshauptstadt Vientiane. In den folgenden Auseinandersetzungen verschiedener Gruppen gelangte schließlich Prinz Souvanna Phouma wieder an die Macht zurück. Sein Versuch, linksgerichtete Kräfte in seine Koalitionsregierung einzubinden, führte zu einem von den USA unterstützten Militäraufstand rechtsgerichteter Kräfte. Souvanna war gezwungen, das Land zu verlassen, und der radikale Antikommunist Prinz Boun Oum wurde neuer Premier. Mitte 1961 kontrollierte der Pathet Lao, der sich inzwischen mit den neutralistischen Kräften von Kong Le verbündet hatte, bereits die Hälfte des Landes.

Mittlerweile machten sich die USA, die UdSSR und andere Staaten Gedanken über mögliche internationale Verwicklungen, die durch einen Bürgerkrieg in Laos hervorgerufen werden könnten. Im Mai 1961 wurde eine Waffenruhe vereinbart, und am 23. Juli desselben Jahres wurde im Rahmen der Genfer Laos-Konferenz die Neutralität des Landes sowie der Rückzug sämtlicher ausländischer Truppen beschlossen. Nach längeren Verhandlungen stimmten die Führer der drei wichtigsten laotischen Fraktionen (Pathet Lao, Neutralisten und prowestliche Kräfte) der Bildung einer provisorischen Regierung der nationalen Einheit unter der Leitung von Prinz Souvanna Phouma zu. Die Regierungsbildung erfolgte 1962.

Zusammenbruch der Regierung

Im Lauf der nächsten zwei Jahre kam es zu wiederholten Versuchen der Rechten, die Macht im Staat zu übernehmen. Das Lager der Neutralisten spaltete sich, und zahlreiche Anhänger von Souvanna Phouma liefen zum Pathet Lao über. Im Jahr 1964 verbündeten sich die verbliebenen Neutralisten mit den Rechten und konsolidierten ihre militärischen Kräfte. Der Führer des Pathet Lao, Prinz Souvanna Vong, betrachtete diesen Schritt als Verletzung des Genfer Laos-Abkommens und weigerte sich, Souvanna Phouma weiterhin als legitimes Staatsoberhaupt anzuerkennen.

1965 flammten die Kämpfe zwischen dem Pathet Lao und den Regierungstruppen erneut auf. Auf Seiten der Regierung kämpften auch Söldner aus Thailand und Krieger vom Stamme der Hmong, die von den USA finanziert und ausgebildet wurden. Mitte der sechziger Jahre wurde Laos in den Vietnamkrieg hineingezogen. Nordvietnamesische Truppen benutzten Dschungelpfade im Osten und Süden von Laos als Nachschubwege für ihre in Südvietnam kämpfenden Verbände. Amerikanische Kampfflugzeuge flogen daraufhin immer intensivere Bombenangriffe auf den so genannten Ho-Chi-Minh-Pfad. 1971 marschierten südvietnamesische Truppen zur Unterbrechung der kommunistischen Versorgungslinien nach Laos ein, wurden aber zurückgeschlagen. (Vietnamkrieg)
Ende 1971 war die militärische Überlegenheit der Kommunisten unbestritten, und so konnten sie Souvanna Phouma zu Verhandlungen zwingen, die schließlich 1973 zu einer Waffenruhe führten. Im April 1974 wurde eine neue Koalitionsregierung eingesetzt. Im Gegensatz zur Regierung des Jahres 1962 bestand sie nunmehr ausschließlich aus Anhängern von Pathet Lao und Souvanna Vong. Aber bald schon gab nur noch der Pathet Lao den Ton an.

Demokratische Volksrepublik Laos

Die kommunistischen Siege in Kambodscha und Vietnam im April 1975 gaben dem Pathet Lao weiter Auftrieb und machten alle Hoffnungen Souvanna Phoumas auf eine Umkehr der Machtverhältnisse zunichte. Im Dezember desselben Jahres wurde die Monarchie in Laos abgeschafft und die Laotische Demokratische Volksrepublik ausgerufen. Erster Präsident wurde Souvanna Vong; er war bis 1986 im Amt. Phoumi Vongvichit übernahm die weitgehend zeremonielle Funktion des Übergangspräsidenten. Kaysone Phomvihan wurde Premierministers.

Im Jahr 1981 verabschiedete die Regierung angesichts enormer wirtschaftlicher Schwierigkeiten den ersten Fünfjahresplan. Bis 1990 wurden etwa 50 000 vietnamesische Truppen aus Laos abgezogen, die dort zur Stabilisierung des Regimes stationiert waren, was zu einer Verringerung des vietnamesischen Einflusses führte. 1991 wurde eine Verfassung verabschiedet, die eine gewaltige Ausweitung der Kompetenzen des Präsidenten vorsah; im selben Jahr übernahm Kaysone dieses Amt. Innenpolitisch wandte sich die Regierung zunehmend von der staatlich gelenkten Planwirtschaft ab und der freien Marktwirtschaft zu. Als Kaysone im November 1992 starb, folgten ihm zwei enge Vertraute nach: Nouhak Phoumsavanh wurde Präsident, und General Khamtay Siphandone wurde Führer der Laotischen Revolutionären Volkspartei. Souvanna Vong starb am 9. Januar 1995 im Ruhestand. Im November 1996 wurde Laos neben Myanmar und Kambodscha in die ASEAN (Association of South East Asian Nations) aufgenommen.

Am 26. Februar 1998 wählte das Parlament den bisherigen Regierungschef Khamthay Siphandone zum neuen Staatspräsidenten. Er löste Nouhak Phoumsavanh ab, der nicht wieder kandidierte. Neuer Ministerpräsident wurde Sisavath Keobounphan.

Laos ist seit 1997 Mitglied der ASEAN. und am 29. und 30. November Gastgeber des ASEAN Gipfel-Treffens.

[Vietnamkrieg]
[UXO]